Zum Frameset "Rechtschreibung & RSR"

Sprachwissenschaft:   Einf. · Deskriptiv · Modell · Schrift · Glossar · Orwells 1984 · Sprach-Feminismus
a b c d e f g h i j k l m n o p ph q r s t u v w x y z Ergänzung

Glossar

Die Sprachwissenschaft bzw. Linguistik ist nicht gerade das Hobby der Durchschnittsbevölkerung. Deshalb werden in der folgenden Liste Fachwörter erläutert – übrigens auch solche, die nicht im Text vorkommen:

Abkürzung
Wort, das nur durch Rückgriff auf seine ursprüngliche, längere Form Bedeutung gewinnt. Es gibt das:
Adjektiv
Eigenschaftswort; Beispiele: gut, böse, groß, langsam etc.
Adjektivadverb
von manchen Grammatikern benutzte Bezeichnung für ein Eigenschaftswort mit adverbialer Verwendung; Beispiel: Der schnelle (1) Herr Hermes ist heute besonders schnell (2), er liefert so schnell (3) wie nie zuvor. (1: Adjektiv in attributiver Funktion; 2: Adjektiv in prädikativer Funktion; 3: Adjektiv in adverbialer Funktion, also als sog. Adjektivadverb.)
Adposition
'An-Stellung' bzw. Verhältniswort: Gemeint ist zunächst die Position eines Wortes bei (vor oder/und hinter) einem Hauptwort; in zweiter Linie auch und vor allem die Kategorie bzw. Klasse solcher Wörter. Es gibt drei Arten von Adpositionen: die Präposition (ab, auf, für etc.), die Postposition (dieser Aussage zufolge etc.) und die Zirkumposition (von Amts wegen etc.).
Adverb
Umstandswort. Es gibt Adverb(i)en des Ortes (hier, dort, oben, unten etc.), der Zeit (damals, heute, bald, oft etc.), der Art und Weise (anders, genug, gern, glücklicherweise, nur, so, sehr, vielleicht etc.) und des Grundes im weiteren Sinne (daher, dazu, somit, trotzdem etc.).
Adverbial(e), adverbiale Bestimmung
Umstandsbestimmung. Es gibt verschiedene Typen der adverbialen Bestimmung, nämlich Adverbialia des/der ...
Affix
gebundenes Morphem, das keine lexikalische, sondern nur eine grammatikalische Bedeutung hat. Es dient vor allem der Wortbildung und Flexion und kommt vor als Präfix am Anfang, als Infix innerhalb und als Suffix am Ende eines Wortes.
Akkusativ
siehe Kasus.
Allograph
Grapheme bzw. Buchstaben, die denselben Laut wiedergeben, aber eine voneinander abweichende Form aufweisen (vgl. Allophon).
Allomorph
Morphem-Variante, die von der phonologischen, grammati(kali)schen oder lexikalischen Umgebung abhängt. Das t als Kennzeichen der 3. Person Singular etwa tritt nach t und d als -et auf (Beispiele: "Sie leitet", "er meidet ..."), nach den übrigen Konsonanten aber als -t ("Sie macht, er sagt ...").
Allophon
kombinatorische, von der lautlichen Umgebung abhängige Variante eines Phonems; Beispiel: der jeweils anders artikulierte ch-Laut in "ach" und "ich".
Analphabet
'Des Lesens und Schreibens Unkundiger'. Der Begriff setzt eine Vorstellung von 'richtiger Schreibweise' (Orthographie) voraus, welche die deskriptive Sprachwissenschaft von der allgemeinen Schreibpraxis der jeweiligen Sprachgemeinschaft ableitet, und er ist nicht absolut zu definieren, da graduelles Analphabetentum häufig ist und kaum jemand wirklich sicher und fehlerfrei schreibt. Durch die zwangsreformierte Schulschreibung ist der Begriff noch schwieriger geworden: Wenn ein Analphabet nur jemanden meint, der nicht richtig schreiben kann, so wie die Sprach- und Schreibgemeinschaft, der er / sie angehört, es praktiziert, dann werden unsere Erstklässer seit kurzem zu Analphabeten herangebildet; wenn auch jemand gemeint sein sollte, der zwar richtig schreiben kann, sich aber dennoch – aus welchen Gründen auch immer – gegen die allgemeingültige Schreibnorm verhält, dann wären auch Beamte, viele Politiker, Redakteure etc. Analphabeten. Siehe auch funktionaler Analphabetismus.
    Da sich das Wort Analphabetismus von alphabetischen, also Buchstaben-Schriften ableitet, wird im Falle nichtalphabetischer Schriften wie des Chinesischen oft der Begriff Illiteralität verwendet (im Englischen: illiteracy).
Anglizismus
'aus dem Englischen übernommene sprachliche Eigentümlichkeit', also ein Lehnwort, eine Lehnbedeutung, die ein deutsches Wort vorher nicht hatte, eine grammatische Lehnstruktur etc.
Antonomasie
'andere Benennung': Umschreibung eines Eigennamens durch eine Eigenschaft oder auch eines Gattungsbegriffs durch einen Eigennamen; Beispiele: Der fünfte Kontinent für 'Australien' oder Judas für 'Verräter'.
Antonym
'Wort gegensätzlicher Bedeutung'; Mehrzahl: Antonyma; Gegenteil: Synonym; Begriff der lexikalischen Semantik. Antonyma und Synonyma treten als Gegensatzpaare auf, z. B.: Diachronie & Synchronie.
Apokope
Auslassen bzw. Ausfall eines Vokals (meist des Lautes e) am Ende des Wortes, etwa in Ich mach das! statt Ich mache das! Den Ausfall eines unbetonten Vokals zwischen zwei Konsonanten nennt man Synkope.
Appellativum, Plural: Appellativa
siehe Gattungsname bzw. Gattungsbegriff: ein Nomen, das Klassen von Dingen bezeichnet, die mehrmals vorkommen (Beispiele: Frau, Mann, Land, Stadt, Kartoffel, Absicht). Gegenteil (Antonym): Nomen proprium bzw. Eigenname.
Apposition
Beifügung, ein substantivisches Attribut, das ein Substantiv oder Pronomen näher erläutert; Beispiel: "Günter Grass, der diesjährige Nobelpreisträger, ist gegen die Reform."
Artikel
in der Sprachwissenschaft Geschlechtswort bzw. Begleiter eines Substantivs; bestimmte Artikel sind der, die, das, unbestimmte ein, eine.
Aspekt
Blickrichtung, morphologische Aktionsart eines Verbs, neben dem Tempus eine weitere verbale Kategorie. Der Aspekt kann das Andauern, die häufige Wiederholung, die Gewohnheit, das Ergebnis einer Handlung etc. ausdrücken. Ein Aspekt ist die Verlaufsform, also das im Englischen bekannte continuous bzw. progressive ("I am reading.") oder die im Deutschen immer noch von Deutschlehrern bekämpfte Rheinishe Verlaufsform: "Ich bin am Lesen" etc.; die angeblich bessere, "hochsprachliche" Formulierung "Ich lese gerade" entspricht mit dem Adverb gerade der lexikalischen Aktionsart.
Attribut
Beifügung, 'einem Substantiv, Adjektiv oder Adverb beigefügte Bestimmung'; Beispiele: "der alte Mann", "sehr alt", "ziemlich selten".
Auslautverhärtung
'harte Aussprache eines ansonsten weichen Konsonanten am Ende einer Silbe bzw. eines Wortes'. Am Wortende gibt es z. B. im Deutschen kein [b], [d] oder [g]: Das Wort Hand etwa wird trotz des geschriebenen d am Ende [t] ausgesprochen, währen englisch hand am Ende ein weiches [d] verlangt.
Begriff
Das Wort kommt von begreifen und wird hier im engeren Sinne nicht im Sinne von (gesprochenem oder geschriebenem) 'Wort' verwendet, sondern für eine 'Vorstellung' (eben einen "Begriff"), die man sich von etwas macht. Begriffe werden durch Wörter bzw. Bezeichnungen (genauer: Bezeichner) ausgedrückt, sind also die Bedeutungen dieser Wörter, und werden hier durch Hochkommata ('Begriff') dargestellt. Der berühmte Schweizer Linguist Ferdinand de Saussure (1857–1913) führte für den 'Bezeichner' das Wort signifiant ein und für das 'Bezeichnete' (die 'Bedeutung') das Wort signifié.
Bilderschrift
auch: Piktographie: Schrift, die sich bildlicher Darstellungen bedient, wie sie heute als Piktogramme verwendet werden.
Binnen-Majuskel
Majuskel, also Großbuchstabe in einem Wort zwischen Kleinbuchstaben. Binnen-Majuskeln sind von der konventionellen Orthographie nicht gedeckt, werden aber im Marketing gelegentlich verwendet, um einen Wortbestandteil hervorzuheben: FernReisen etc. Ein weiteres, ideologisch motiviertes Beispiel ist das Binnen-I (auch Majuskel-I oder Versalien-I), das in Nomina agentis weibliche Akteure separat nenen soll, obwohl sie mit dem sog. generischen Masculinum bereits genannt werden: LehererInnen, SchülerInnen etc.
Dativ
siehe Kasus.
Deklination
Beugung: in der Sprachwissenschaft die Formveränderungen von Substantiven, Artikeln, Adjektiven, Pronomen und Numeralen, durch die die Funktionen der Satzteile ausgedrückt werden. Beispiele: Der Mann, des Mannes, dem Manne, den Mann etc.
Demonstrativadjektiv · Demonstrativpronomen
hinweisendes Eigenschaftswort bzw. Fürwort. Beispiele: dieser, diese, dieses, jener, jene, jenes. Beide Kategorien werden häufig verwechselt, ein Demonstrativadjektiv steht jedoch als Attribut vor einem Substantiv (Hauptwort), während ein Demonstrativpronomen alleine steht; Beispiele: "Dieses Buch gefällt mir." (= Demonstrativadjektiv) – "Dieses gefällt mir." (= Demonstrativpronomen)
Deskriptive Sprachwissenschaft
moderne Sprachwissenschaft, die eine Sprache mit wissenschaftlichen Methoden so analysiert und beschreibt, wie sie zu einem bestimmten Zeitpunkt tatsächlich ist, nicht wie sie aus subjektiver, sprachsystematischer Sicht sein sollte.
Diachronie
historische Sprachbetrachtung, Untersuchung mehrerer Sprachstände durch mehrere (alle oder definierte) Zeitebenen. Die Diachronie ist der Grundbegriff der Historischen Linguistik und ein Begriff aus der Terminologie Ferdinand de Saussures. Gegenteil (Antonym): Synchronie.
Dialekt
Mundart: räumliche bzw. diatopische Variante einer Sprache; Dialekte sind nicht das Gegenteil einer "Hochsprache", vielmehr sind "Hoch-, Schrift- bzw. Standardsprachen" selbst lediglich Dialekte, die aus unterschiedlichen Gründen als allgemeinverbindlich erachtet werden, oder teilweise auch Kunstsprachen, die auf einem Dialekt beruhen. Die Grenze zwischen Dialekt und Sprache ist fließend und Definitionssache.
diaphasisch
Sprache variiert u. a. diaphasisch, d. h. phasenspezifisch, also abhängig von der Lebensphase, vor allem dem Alter (dia = 'geteilt' + phasisch = '(Lebens-)Abschnitt-bezogen').
diasituativ
Sprache variiert u. a. diasituativ, d. h. situationsabhängig, also stilistisch (dia = 'geteilt' + situativ = 'lagen-' bzw. 'situationsbezogen').
diastratisch
Sprache variiert u. a. diastratisch, d. h. schichtspezifisch, also durch Soziolekte (dia = 'geteilt' + stratisch = 'geschichtet, schichtbezogen').
diatopisch
Sprache variiert u. a. diatopisch, d. h. räumlich, also durch Dialekte (dia = 'geteilt' + topisch = 'örtlich').
Digraph
'zwei oder mehr Buchstaben, die zusammen nur einen Laut darstellen'; deutsche Beispiele: ch, sch, ph, th. (Die phonetische Transkription für ch und sch ist mit üblichen Zeichensätzen nicht möglich; ch repräsentiert zwei Laute: vergleiche ich und ach!) Auch Doppel- und Dreifachkonsonanten sind praktisch Digraphen, obwohl sie in der deutschen Rechtschreibung eigentlich (und keineswegs logisch) die Kürze des vorangehenden Vokals anzeigen.
Diphthong
Doppelvokal, doppelter Selbstlaut derselben Silbe; Beispiele: [au], [ai], [eu], [oi]. Den Diphthong [ei] gibt es im Standarddeutschen nicht, so daß ei (etwa in eitel) keine phonetische Schreibung ist. Diphthonge entstehen durch Brechung eines langen einfachen Vokals – vergleiche gut in standarddeutscher und bayerischer Aussprache: [gu:t] – [guat].
Eigenname
Nomen proprium: Name eines einzelnen Menschen oder Ortes, einer einzelnen Firma, Institution etc., der bzw. die – zumindest in einem gegebenen Kontext – nur einmal vorkommt (Beispiele: Birgit, Georg, Deutschland, Microsoft). Gegenteil (Antonym): Gattungsname bzw. Appellativum.
Ellipse
'Auslassung': in der Wortbildung die Auslassung eines konstituierenden Teils eines zusammengesetzten Wortes (z. B. Alt für Altbier), in der Rhetorik die Auslassung von Wörtern oder Satzteilen, so daß unvollständige Sätze (sog. Satzellipsen entstehen. Beispiele: Das Ende ist gut, also ist alles gut! · Je eher man es tut, desto besser! · Leerdamer Käse · Ist hier Noch jemand ohne Fahrschein? · Tu das Ohne wenn und aber! · Möchten Sie Sonst noch etwas? · Was geschieht nun?
Enallage
altgriechisch 'Verwechselung': eine rhetorische Figur, die logische Wortbeziehungen verschiebt, meist indem sie ein Adjektiv auf ein Wort (oder einen Wortbestandteil) bezieht, zu dem es inhaltlich gar nicht gehört. Beispiele: "in baldiger Erwartung Ihrer Antwort" statt "in Erwartung Ihrer baldigen Antwort"; wer den "genauen Ursprung" eines Wortes erfragt, möchte eigentlich "genau wissen", woher das Wort kommt.
Etymologie
Disziplin der historisch-vergleichenden Sprachwissenschaft, die Ursprung und Geschichte der Wörter einer Sprache erforscht und deren Form- und Bedeutungsänderungen dokumentiert und zu erklären versucht; ursprünlich die "Lehre von der wahren Bedeutung".
Fünf Beispiele: Die Bahre ist mit Bürde, Gebaren, Gebärde, gebären und Geburt verwandt und leitet sich von einem althochdeutschen bara = 'tragen', ab; der Kaiser stammt vom lateinischen Caesar ab, der vermutlich von caedere = 'fällen' ('töten') gebildet wurde; das Quentchen geht auf lateinisch quintus zurück, das 'der fünfte Teil' bedeutet; der englische Butler war einmal der französische 'Mundschenk', denn bouteiller kommt von bouteille = 'Flasche', und englisch town ('Stadt') ist mit dem deutschen Zaun verwandt.
Flexion
Beugung, Formveränderung eines Wortes (Konjugation oder Deklination) zur Kennzeichnung einer grammatischen Kategorie wie Genus, Numerus, Kasus, Tempus.
Fremdwort
Wort aus einer anderen Sprache, auch einer nur wenigen Eingeweihten bekannten Fachsprache (Soziolekt), das von der Durchschnittsbevölkerung als fremd empfunden wird, nicht oder nur ansatzweise verstanden und nicht in ihren produktiven Wortschatz aufgenommen wird.
Funktionaler Analphabet(ismus)
Funktionaler Analphabetismus (auch: Illetrismus) ist die Unfähigkeit, eine Schrift im Alltag so zu gebrauchen, wie es im sozialen Kontext als selbstverständlich gilt. Funktionelle Analphabeten sind folglich Menschen, die zwar Buchstaben erkennen und auch ihren Namen und einige einfache Sätze schreiben könne, aber den Sinn eines längeren oder komplizierten Textes (Behördenschreiben, Bedienungsanleitungen, Warnhinweise) nicht oder nicht so schnell und mühelos verstehen, daß sie im Alltag damit bestehen können.
    Die vorausgehende Definition ist nicht besonders scharf: Auf niedrigem Niveau gibt es Menschen, die kaum ein Straßenschild entziffern können, auf hohem Niveau agieren jene "Rechtschreibreformer", Politiker und Bürokraten, die aus Dummheit (oder Kalkül?) mit der Schreibung auch die Bedeutungen von Wörtern verändern, also etwa nicht zwischen allgemeinbildend und allgemein bildend, im allgemeinen und im Allgemeinen, wildlebenden und wild lebenden Tieren etc. unterscheiden können.
Gapping
'Lückenbildung': das Auslassen des Subjekts oder Prädikats in einem zweiten, gleichgestellten Satzteil: Ich lese und ich verstehe nichts.Er ißt eine Pizza, sie ißt einen Salat.
Gattungsname
Appellativum: Wort für einen Begriff (einer Klasse) von Dingen, Wesen, Ideen etc. (Beispiele: Bett, Land, Belgier, Lehrling, Hund, Katze, Rose, Pilz, Vermutung, Vorstellung). Gattungsnamen können regelmäßig mit einem Artikel (der, die das, ein, eine) verwendet werden. Gegenteil (Antonym): Eigenname bzw. Nomen proprium. In älteren linguistischen Schriften wird Name auch als Synonym für Appellativum benutzt.
Gemination, Geminaten
die gelängte Aussprache von Konsonanten. Geminaten sind etwa am typischen Klang des Italienischen beteiligt. In der Schrift werden Geminaten meist durch Verdoppelungen der Konsonantenbuchstaben dargestellt. Im Deutschen ist der bedeutungsrelevante (phonologische) Unterschied zwischen kurzen und langen Konsonanten jedoch verschwunden, so daß die Konsonatenverdopplung nun die Kürze des unmittelbar vorausgehenden Vokals markiert.
generisches Masculinum bzw. Maskulinum
die (im Deutschen übliche) grammatisch männliche Form eines Nomen agentis, das generisch zu verstehen ist, also beide biologischen Geschlechter meint: der Beruf des Lehrers.
Genitiv (veraltet: Genetiv)
siehe Kasus.
Genus
'grammatisches Geschlecht'. Beispiel: das natürliche Geschlecht (Sexus) eines Mädchens ist weiblich, grammatisch ist das Mädchen aber neutral bzw. Neutrum.
Gestik
Gebärdensprache, hier im Sinne einer 'willkürlichen gestischen Zeichensprache' verwendet.
Glottal
Stimmritzen- bzw. Kehlkopflaut, auch: Knacklaut, harter Vokaleinsatz. Beispiel: die explosiven Laute am Anfang von ach und Ort.
Grammatik
sprachwissenschaftliche Disziplin, die die Sprachstruktur, die Funktionen sprachlicher Formen, beschreibt; auch die Sprachstruktur selbst; im weiteren Sinne eine bestimmte wissenschaftliche Beschreibung einer Sprache durch einen Autor oder eine sprachwissenschaftliche Richtung, auch als Buch (deskriptive Grammatik); schließlich ein Lehrwerk, das verbindliche Regeln für den "richtigen" Sprachgebrauch aufstellt (normative bzw. präskriptive Grammatik).
Graph
sprachwissenschaftlich: Zeichen, siehe dort.
Graphem
in der Graphemik bzw. Graphematik kleinste bedeutungsunterscheidende Einheit in einem Schriftsystem, Pendant zum Phonem in der Phonologie. Ein bestimmtes Graphem ist nicht prinzipiell die sichtbare, schriftliche Entsprechung eines bestimmten Phonems: [f] kann z.  f oder ph entsprechen, und mit sch wird im Deutschen der Zischlaut am Anfang von Schule dargestellt.
Graphemik bzw. Graphematik
sprachwissenschaftliche Disziplin von den Schriftzeichen als bedeutungsunterscheidenden Merkmalen, die nach den Methoden der Phonologie vorgeht.
Heterograph
Im Gegensatz zu Homograph ist ein Heterograph ein Wort unterschiedlicher Schreibung und Bedeutung und oft auch Aussprache; Beispiele sind Getrennt- und Zusammenschreibungen wie wohlbekannt für 'gut bzw. durchaus bekannt' und wohl bekannt für 'vermutlich bekannt'.
Hochdeutsch
1. Gegenteil von Niederdeutsch; 2. Standarddeutsch, Schriftdeutsch, dt. Gemeinsprache. In seiner geographischen Bedeutung (1) meint das Hochdeutsche die dt. Dialekte südlich der sog. Benrather Linie, während das Niederdeutsche bzw. Plattdeutsche die Dialekte nördlich dieser Sprachgrenze umfaßt, die die Zweite dt. Lautverschiebung nicht mitgemacht haben und daher dem Niederländischen und Englischen näher stehen als das Hochdeutsche. In seiner soziolektalen Bedeutung (2) wird Hochdeutsch von Laien oft wertend als das 'bessere Deutsch' verwendet. Um sowohl diese wertende wie auch die geographische Bedeutung zu vermeiden, wird hier die Bezeichnung Standarddeutsch bevorzugt.
Homograph und Homographie
Homographe im engeren Sinne sind Wörter gleicher Schreibung, aber (unterschiedlicher Bedeutung und) verschiedener Aussprache; Beispiel: modern für 'faulen' und 'neuzeitlich' bzw. 'fortschrittlich'. Im weiteren Sinne könnte man auch die beiden Bälle ('Spielball' und 'Tanzfest') als Homographe, also gleich geschriebene Wörter bezeichnen.
Homonym und Homonymie
Homonyme sind Wörter gleicher Lautung (also Homophone) bzw. gleicher Schreibung (also Homographe), aber mit (unterschiedlicher Bedeutung und) verschiedener Wortgeschichte oder starker Bedeutungsdifferenzierung; Beispiele: Ball für 'Spielball' und 'Tanzfest', kosten für 'probieren' und 'wert sein'.
    Homonymie ist folglich die homonyme Beziehung, also Bedeutungsungleichheit, zwischen Wörtern gleicher Lautung (= Homophonie) bzw. gleicher Schreibung (= Homographie) – oft aufgrund verschiedener Herkunft. Ein Begriff ähnlicher Bedeutung ist die Polysemie: Mehrdeutigkeit trotz gemeinsamer Wurzel (etwa durch Metapher).
    Wenn Homonyme aufgrund ihrer unterschiedlichen Bedeutungen das Textverständnis behindern, "kollidieren" sie, und die Sprachwissenschaft spricht von einer Homonymenkollision bzw. einem Homonymenkonflikt, der zum Verschwinden eines Wortes führen kann. Das Wörtchen ob z. B. kommt umgangssprachlich nur noch als Konjunktion (zur Einleitung eines Nebensatzes) vor, während es als homonyme Präpositionen (1. 'wegen', 2. 'oberhalb von, über') nur noch literarisch interessierten Lesern bekannt ist.
Homophon und Homophonie
Homophone im engeren Sinne sind Wörter gleicher Lautung, aber unterschiedlicher (Bedeutung und) Schreibung; Beispiele: Kuh und Coup, Mohr und Moor, seid und seit, Tip und Tipp, für viele Deutsche auch Lerche und Lärche etc. Im weiteren Sinne sind auch der Ball ('Spielball' und 'Tanzfest') und der bzw. das Bauer ('Farmer' und 'Vogelkäfig') homophon, also 'gleichklingend'.
    Homophonie ist folglich die homophone Beziehung zwischen Wörtern (in der Musik allerdings das Gegenteil von "Polyphonie").
    Die zwangsreformierte Schulschreibung zielt offensichtlich darauf, die unterschiedliche, also bedeutungsdifferenzierende Schreibung der Homophone im engeren Sinne aufzuheben, sie also zu Homographen gleicher Aussprache zu machen; Beispiele: allein stehend, nichts sagend, Tipp, gräulich, wohl bekannt etc.
Ideogramm
Ideogramme sind Bilder, die mit bestimmten, nicht direkt darstellbaren Vorstellungen (z. B. ′Liebe′, ′Haß′) konventionell assoziiert werden.
Idiolekt
im Gegensatz zum Soziolekt und Dialekt das Sprachverhalten eines einzelnen Sprechers einer Sprache. Alle Idiolekte einer Sprachgemeinschaft machen ihre Sprache aus.
Illetrismus
siehe oben: funktionaler Analphabetismus
Indefinitpronomen
unbestimmte Pronomen, also Fürwörter, die hinsichtlich Genus (andere, alle, eines, ein paar, einzelne, etwas, jemand, man, manche, mehrere, nichts, niemand etc.) und Numerus (jeder, kein, mancher, wer etc.) unbestimmt sind. Wörter aus der Gruppe der Indefinitpronomen können auch anderen Wortklassen angehören: "Einer hat gemogelt." (Indefinitpronomen) – "Ein Mitspieler hat gemogelt." (Zahlwort: ein, nicht zwei) – "Ein Mitspieler hat das Glas umgeworfen." (kein bestimmter, irgendeiner). In konventioneller Rechtschreibung werden – anders als in zwangsreformierter Schulschreibung – Indefinitpronomen klein geschrieben, während substantivisch gebrauchte Adjektive ("Wir müssen vom Einzelnen zum Gesamten kommen") groß geschrieben werden.
Infinitiv
Uneingeschränkte Verbform, die Grundform des Verbs, die nicht durch Konjugation (Person), Tempus etc. begrenzt (finit) bzw. beeinflußt ist. Wörterbucher führen üblicherweise die Infinitive der Verben auf: lesen, schreiben, rechnen etc.; konjugierte oder Tempus-Formen sind dort Ausnahmen: liest, las.
Infix
eingeschobenes Morphem, Affix innerhalb eines Wortes, z. B. die Silbe ge fürs Partizip Perfekt in eingeschoben.
Initialakzent, Germanischer ~
Betonung eines Wortes auf der ersten Silbe bzw. dem Stamm, wie sie in den germanischen Sprachen üblich ist. Der auf der indoeuropäischen Sprachstufe noch freie Wortakzent verfestigte sich im Germanischen im Initialakzent, in den romanischen Sprachen hingegen in der Betonung auf der zweiten oder letzten Silbe, weshalb ehemals französische Vornamen im Deutschen weiterhin auf der zweiten Silbe betont werden: Chantale, Jacqueline, Michèle, René. Manche (z. B. Schweizer) betonen auch Wörter wie Büro gemäß dem germanischen Initialakzent auf der ersten Silbe.
Interferenz
in der Sprachwissenschaft die Beeinflussung einer Sprache durch eine andere; Beispiel: Anglizismen.
Interjektion
Ausruf; Beispiele: ach! oh!.
Interpunktion
'Trennung durch Punkte', Gliederung eines geschriebenen Textes durch graphische Zeichen zur Darstellung von Betonung, Pausen und (sich daraus ergebender) Bedeutung: Punkt, Komma, Ausrufe- und Fragezeichen, Doppelpunkt, Semikolon, Anführungszeichen ("Gänsefüßchen"), Binde-, Strecken- und Gedankenstrich, Klammern, oft auch Gleichheitszeichen (=).
Kardinalzahl
Grundzahl. Beispiele: eins, zwei, drei, vier etc. Gegenteil: Ordinalzahl.
Kasus, Plural: Kasus (mit langem u)
grammatische Kategorie des Falles. Vier Fälle unterscheidet man im Deutschen:
1. Fall bzw. Nominativ bzw. Subjektfall; Beispiel: der Mann, die Männer;
2. Fall bzw. Genitiv bzw. Possessiver Fall; Beispiel: des Mannes, der Männer
3. Fall bzw. Dativ bzw. indirekter Fall; Beispiel: dem Mann(e), den Männern
4. Fall bzw. Akkusativ bzw. direkter Fall; Beispiel: den Mann, die Männer.
Kompositum
'zusammengesetztes Wort'; Mehrzahl: Komposita. Ein bekanntes und extremes Beispiel ist der "Donaudampfschiffahrtsgesellschaftskapitän". Man kann im engen Sinne orthohraphische Komposita, die sich nur auf die Schreibung beziehen, von sprachlichen Komposita im allgemeinen Sprachsinne unterscheiden, die auch dann einen Begriff darstellen, wenn dieser nicht zusammengeschrieben wird: Benutzerfreundlich bleibt auch dann ein Kompositum, wenn es falsch auseinandergeschrieben wird.
Konjugation
Beugung: in der Sprachwissenschaft die Formveränderungen des Verbs vor allem durch die Person, Numerus (Singular / Plural), Tempus (Zeitform: Präsens etc.), Modus (Indikativ / Konjunktiv / Imperativ) und Genus (grammatisches Geschlecht).
Konjunktion
in der Sprachwissenschaft Bindewort: Wort, das Satzteile oder Sätze miteinander verbindet; Beispiele: wie, indem ("modale"), denn, weil ("kausale"), dazu, damit ("finale Konjunktion").
Konsonant
Mitlaut, also ein Laut, der mit einem Vokal ausgesprochen wird: [b, c, d, f, g, h, k, l, m, n, p, q, r, s, t, v, w, x, (y), z].
konventionell
vereinbart, vereinbarungsgemäß: Dieses Wort wird häufig als Synonym zu 'traditionell' oder gar 'alt' verwendet, was aber die Bedeutung nicht vollständig wiedergibt: Es ist von "Konvention" abgeleitet, was 'Vereinbarung' bedeutet (Beispiel: "Genfer Konvention"). Daß Schrift konventionell ist, bedeutet also, daß ihre Zeichen auf einer Vereinbarung bzw. Zustimmung ihrer Benutzer beruhen. Am deutlichsten sieht man das bei einer Geheimschrift, die nur von Eingeweihten verstanden wird, die sich auf diese Schrift verständigt haben; konventionell ist Schrift aber auch, wenn Schulkinder sich an eine bestehende (!) Schriftnorm der Erwachsenen anpassen, weil ihre Eltern als Erziehungsberechtigte und in ihrem Auftrag der Staat diese für die nächste Generation ausdrücklich oder stillschweigend vereinbart bzw. nur fortgeschrieben haben. Nicht konventionell ist eine Schreibung hingegen dann, wenn eine neue Schreibung erfunden und der Bevölkerung oder der nächsten Schulgeneration zwangsweise aufgedrückt wird.
Kopulaverb
Kopulaverben nehmen in ihrer Funktion eine Mittelstellung zwischen Hilfsverben und Vollverben ein: sein, werden, bleiben, heißen, scheinen, aussehen. Sie verbinden das Subjekt des Satzes mit einem Nomen im Nominativ (1. bzw. Wer-Fall) oder einem Adjektiv in einer nicht flektierten ('gebeugten') Form. Zusammen mit dieser Ergänzung bildet ein Kopulaverb das Prädikat. Beispiel: "Er ist Professor / schlau."
Langue
(mit nasalierten a, hörbarem g und ohne u gesprochen) die französische Bezeichnung, die der Linguist Ferdinand de Saussure 1916 in seinem Werk Cours de linguistique générale (Grundfragen der allgemeinen Sprachwissenschaft, 1967) für das Sprachsystem als ein regelhaftes System von Zeichen einführte.
Lautschrift, Lautschreibung
auch: phonetische (Um-)Schrift bzw. phonetische Transkription. Die Lautschrift im engeren, wissenschaftlichen Sinne gibt wieder, wie die Wörter einer Sprache (auch ihrer Dialekte) ausgesprochen werden; sie ist viel genauer als eine überlieferte auf der Lautung beruhende Rechtschreibung einer Sprache, da sie für denselben Laut immer dasselbe Zeichen verwendet. Die bekannteste Lautschrift ist die "Internationale Lautschrift" der Association Phonétique Internationale, abgekürzt "API" bzw. englisch "IPA", die auch eine Reihe Spezialzeichen verwendet, die in der deutschen oder anderen europäischen Schriftsprachen unbekannt sind.
(In dieser Website werden allerdings für Laute nur solche Buchstaben verwendet, die auf allen deutschen Bildschirmen darstellbar sind.)
    Eine "Lautschrift", die nicht die Lautung darstellt, sondern – wie die europäischen Schriftsprachen – einzelne Laute bzw. Phone (nicht Silben oder Wörter) schriftlich wiedergibt, wird etwas unpräzise als "Buchstabenschrift" bezeichnet.
Lautsprache
gesprochene, mündliche Sprache. Der mündliche bzw. "gesprochene" (phonetische, akustische) Ausdruck einer Sprache ist (vielleicht zusammen mit der Gebärdensprache) der ursprüngliche Ausdruck einer Sprache und kommt statistisch viel häufiger vor als der erst spät entwickelte schriftliche Ausdruck, die Schriftsprache.
Legasthenie · legasthen(isch), Legastheniker
angeborene Lese- und Schreibschwäche; ein an Legasthenie Leidender ist legasthen bzw. legasthenisch und ein Legastheniker.
Lehnwort
ein aus einer anderen Sprache entlehntes, also in der eigenen Sprache vertrautes und gebräuchliches Wort. Die meisten als "Fremdwörter" bezeichneten Wörter sind in Wirklich 'Lehnwörter'.
Lemma
Stichwort in einem Nachschlagewerk (Lexikon).
Lexem
auch lexikalisches Morphem: kleinste Einheit des Wortschatzes bzw. Lexikons, der Stamm eines Wortes ohne Endung bzw. grammatisches Morphem; Beispiele: Buch (nicht Buches, Bücher, Büchern), les (nicht lesen, lese, liest, lest).
Lexik
Wortschatz, Wortbestand einer Sprache oder einer Fachsprache, also die Gesamtheit aller ihrer Wörter bzw. Lexeme; auch: Lexikon.
Lexikon
Buch, das den Wortschatz einer Sprache oder Wissensgebiete auflistet; Wörterbuch; auch: Wortschatz, also die Gesamtheit aller Wörter bzw. Lexeme einer Sprache, ihre Lexik.
Linguistik
Sprachwissenschaft; im engeren Sinne auch solche Richtungen, die spekulative, psychologisierende oder historisierende Ansätze vermeiden und die Systemhaftigkeit einer Sprache untersuchen.
Logogramm
Logogramme umfassen Piktogramme (abstrakte bildhafte Darstellungen der sichtbaren Wirklichkeit), Ideogramme (Bilder, die mit bestimmten Vorstellungen konventionell assoziiert werden) und weitere abstrakte Symbole.
logographisch
Logographische Schriften bestehen aus Logogrammen, also Piktogrammen und Ideogrammen.
Methapher
bildlicher Ausdruck, genauer: ein um das wie verkürzter Vergleich. Du bist störrisch wie ein Esel! ist ein Vergleich, Du Esel! eine Metapher.
Modalpartikel (die ~)
Modalpartikeln sind für eine Aussage eigentlich überflüssige Partikel bzw. Füllsel, die zwar die Kernaussage eines Satzes nicht ändern, aber vor allem in der mündlichen Sprache einen Hinweis darauf geben, wie eine Aussage zu interpretieren ist. Wie alle Partikeln sind sie unflektierbar, und gleichlautende Wörter gibt es oft in anderen Wortarten.
    Beispiele für Modalpartikeln im Deutschen sind aber, auch, bloß, denn, doch, eben, eigentlich, etwa, halt, ja, mal, nur, schon, vielleicht, wohl. Beispielsätze mit Modalpartikeln sind: Du bist aber groß geworden! · Es wußte es halt nicht besser. · Die Regierung unternimmt ja nichts! · Was können wir schon ändern? · Das/der ist vielleicht ein Trottel!  Der letzte Satz ist potentiell doppeldeutig: Mit vielleicht als Modalpartikel ergibt sich ein verächtliches 'Das ist ja mal ein Trottel!' bzw. 'Der ist so ein Trottel!'; als Adverb hat vielleicht hingegen die Bedeutung 'möglicherweise'; 'Vielleicht ist er ein Trottel!?'. Die Übersetzung von Sätzen mit Modalpartikeln in andere Sprachen ist schwierig.
Modalverb, auch: modales Hilfsverb
Modalverben sind Verben, die eine Modalität ausdrücken, vor allem Notwendigkeit oder Möglichkeiten. Im Deutschen werden sechs Verben als Modalverben aufgefaßt: dürfen, können, mögen, müssen, sollen und wollen. Ihnen folgt stets ein Infinitiv ohne zu: Ich darf/kann/muß/soll/will gehen.
Morph
kleinste bedeutungstragende Form der individuellen Anwendung einer Sprache (also der Parole), die durch die Zerlegung von Wörtern sichtbar wird.
Morphem
auch: Monem: kleinste bedeutungstragende Form eines Sprachsystems (einer Langue), meist zwischen Schrägstrichen notiert (also ein dem Phonem sehr ähnlicher Begriff, der aber von dessen Lautcharakter abstrahiert). Morpheme sind ganze Wörter oder Teile (Stamm und Endung) von Wörtern, ein Morphem ist also die kleinste semantisch interpretierbare Konstituente eines Wortes. Freie Morpheme sind unabhängige Wörter, gebundene Morpheme sind bedeutungstragende Wortteile (Affixe: Prefixe, Infixe, Suffixe).
auch: Monem: kleinste bedeutungstragende Form einer Sprache, meist zwischen Schrägstrichen notiert (also ein dem Phonem sehr ähnlicher Begriff, der aber von dessen Lautcharakter abstrahiert). Morpheme sind ganze Wörter oder Teile (Stamm und Endung) von Wörtern. Freie Morpheme sind unabhängige Wörter, gebundene Morpheme sind Suffixe.
Morphemkonstanz
Rechtschreibprinzip, nach dem Allomorphe, also Morphem-Varianten, auch dann gleich zu schreiben sind, wenn sie unterschiedlich gesprochen werden, oder die Verwandtschaft von Morphemen durch gleiche oder ähnliche Schreibung erkennbar gemacht wird. Die Hand wird z. B. am Ende mit einem d geschrieben, obwohl sie dort gemäß der im Deutschen üblichen Auslautverhärtung mit t geschrieben.
Movierung
'Bewegung': Ableitung neuer Wörter aus bestehenden zur Spezifizierung des Geschlechts. Meist werden aus grammatisch männlichen Personenbezeichnungen grammatisch weibliche Bezeichnungen gebildet, um explizit biologisch weibliche Personen zu bezeichnen: AnwaltAnwältin, BeamteBeamtin, EhemannEhefrau; manchmal ist es umgekehrt: BrautBräutigam, GansGänserich.
Nomen, Plural: Nomina
Hauptwort, siehe Substantiv.
Nomen agentis, Plural: Nomina agentis
Personenbezeichnung, die einen Akteur bezeichnet und von einem Verb oder Substantiv abgeleitet ist. Im Deutschen stehen Nomina agentis grundsätzlich in der grammatisch männlichen Form: der Dichter, der Jurist, der Städter etc., sie meinen aber beide biologischen Geschlechter. Dieses generische Masculinum wird vom Sprachfeminismus nicht anerkannt, es bevorzuge das biologisch männliche Geschlecht und ignoriere das weibliche; es müsse deshalb um eine weibliche Form ergänzt oder durch eine übergeschlechtliche ersetzt werden: Studentin und StudentInnen bzw. Studierende.
Nomen proprium, Plural: Nomina propria
siehe Eigenname: ein Nomen, das einen einzelnen Menschen oder Ort, eine einzelne Firma oder Institution bezeichnet, der bzw. die in einem Kontext nur einmal vorkommt (Beispiele: Sabine, Bonn, Samsung, Greenpeace, Bayern München). Gegenteil (Antonym): Appellativum bzw. Gattungsname.
Nominativ
siehe Kasus.
Normative Grammatik
präskriptive bzw. vorschreibende Grammatik, die verbindliche Regeln für den "richtigen" Sprachgebrauch aufstellt.
Numerus
grammatische Kategorie der Anzahl, also Singular (Einzahl) oder Plural (Mehrzahl); Beispiel: das Buch – die Bücher.
Objekt
siehe Subjekt und Präpositionalobjekt
Onomatopöie
Lautmalerei: 'Lautnachahmung durch Sprache'. Beispiele: Kuckuck für den weithin hörbaren Vogel, der seine Eier in fremde Nester legt, Wauwau für 'Hund'.
Ordinalzahl
Ordnungszahl. Beispiele: erste(r/s), zweite(r/s), dritte(r/s) etc. Gegenteil: Kardinalzahl.
Orthographie
Rechtschreibung: Diese engt die verschiedenen denkbaren und vielleicht früher einmal praktizierten Schreibmöglichkeiten auf jeweils eine (selten auch zwei oder gar drei) 'richtige' Schreibung ein mit dem Ziel, in einer Schreibgemeinschaft übereinstimmende Schreibweisen zu erreichen und die schriftliche Verständigung dadurch zu erleichtern.
Parole
(mit offenem o und ohne e am Ende gesprochen) die französische Bezeichnung, die der Sprachwissenschaftler Ferdinand de Saussure für die konkrete Rede, also die individuelle Sprachverwendung einführte.
Partikel
nicht deklinierbares Wort, Oberbegriff zu vier Wortarten: Adverb ("jetzt"), Präposition ("vor"), Konjunktion ("und") und Interjektion ("ach!").
Partizip
Mittelwort des Verbs. Es gibt zwei Partizipien: 1. Das Partzip (des) Präsens endet auf end oder (bei Lehnwörtern) auf ant: "aufregend, laufend, interessant, amüsant" etc. (Im Englischen ist, wie allen Schülern bekannt, die Endung ing üblich, wie sie auch in der sog. Verlaufsform vorkommt: "exciting, I'm running.") 2. Das Partzip (des) Perfekt(s) entspricht der dritten Stammform, wie sie in zusammengesetzten Zeitformen vorkommt: "aufgeregt, gelaufen, interessiert, amüsiert" etc.
Periphase
Umschreibung, oft euphemistisch, z. B. "Götter in Weiß" für 'Ärzte'. Siehe auch unten: Verbalperiphrase.
Phon
in der Linguistik die kleinste gesprochene und identifizierbare Lauteinheit, das als Bedeutungsträger Phonem genannt wird.
Phonem
kleinste bedeutungsunterscheidende Lauteinheit einer Sprache.
Phonematik, Phonemik
andere Wörter für Phonologie
Phonetik
Teilgebiet der Linguistik: Wissenschaft vom sprachlich verwendeten Lautsignal; auch: Lautung.
Phonetische Schrift
auch: phonetische Transkription bzw. Lautschrift (s. o.).
Phonographie
Lautschrift im weiteren Sinne, die nicht Vorstellungen des Sprechers optisch darstellt, sondern seine Sprache, und zwar entweder ganze Wörter oder nur Silben oder gar nur Laute. Der Übergang von einer Silben- zu einer echten Lautschrift erfolgte erst im griechischen Alphabet (ca. 9. Jahrhundert v. Chr.), das sich von der phönikischen Schrift ableitet und erstmals Vokale darstellte.
Phonologie
auch: Phonemik, Phonematik. Sprachwissenschaftliche Disziplin, die Phoneme hinsichtlich ihrer Funktion untersucht, Wörter voneinander zu unterscheiden.
Phönikische Schrift
ca. 1200 v. Chr. an der libanesisch-pälästinensischen Küste entstandene Schrift, die nur Konsonanten darstellte und aus der das hebräische und arabische Alphabet hervorgingen.
Piktogramm
Piktogramme sind abstrakte bildhafte Darstellungen der sichtbaren Wirklichkeit; durch ihren Verzicht auf unwesentliche Details sind sie ohne erlernte Konvention von jedem Leser interpretierbar.
Piktographie
Bilderschrift (siehe dort) im Gegensatz zur Wort-, Silben- oder Buchstabenschrift (wobei letztere hier die Darstellung einzelner Laute meint).
Plural
Mehrzahl. Beispiele: "Frauen" im Gegensatz zu "Frau", "sie schreiben" im Gegensatz zu "sie schreibt"; Gegenteil: Singular.
Pluraletantum, Plural: Pluraliatantum
Substantiv (Hauptwort), das ausschließlich im Plural gebraucht wird; Beispiele: Alpen, Blattern, Eingeweide, Ferien, Geschwister, Kosten, Leute, Masern, Niederlande, Pocken, Röteln, Spesen, Trümmer, Vogesen.
Polysemie
Polysemie ist Mehrdeutigkeit, hat also eine ähnliche Bedeutung wie Homonymie: Während z. B. der Ball als 'Spielball' und 'Tanzfest' (altfranzösisch baler = 'tanzen') aufgrund unterschiedlicher Wurzeln (Etymologie) homonym ist, gelten Brücke, Feder und Flügel als Beispiele für Polysemie, da ihre verschiedenenen Bedeutungen – etwa die Feder als 'Vogelfeder', als (spiralförmige) 'elastische Verbindung', als 'Holzverbindung', als 'Schreibfeder' oder '-gerät' etc. – von einer gemeinsamer Wurzel abgeleitet sind, meist als (verblaßte) Metapher.
Possessivadjektiv bzw. -attribut bzw. -artikel
besitzanzeigendes Eigenschaftswort bzw. besitzanzeigender Begleiter, also mein, Dein/dein, sein, unser, Euer/euer, ihr, sowie meines, meinem, unseres, unserem, unseren etc. Die Bezeichnungen Possessivadjektiv (bzw. Possessivattribut) und Possessivartikel bedeuten zwar dasselbe, Possessivartikel ist aber präziser: Einem Adjektiv bzw. Attribut wie gut, schlecht, richtig, falsch etc. muß nicht, kann aber ein Artikel (der, die, das; ein, eine) voranstehen: guter Eintopf, aber auch: der gute Eintopf und ein guter Eintopf; vor einem Artikel jedoch kann im Deutschen nicht noch ein Artikel stehen, und das gilt auch für Possessivartikel: *das meine Auto.
    Possessivartikel werden in manchen Grammatiken auch als Possessivpronomen bezeichnet. Das erscheint unlogisch, da Pronomen (= 'Fürwörter') nicht vor, sondern statt Hauptwörtern bzw. für Hauptwörter stehen: "Das ist seins" z. B. für "Das ist sein Auto." Andererseits kann z. B. sein auch für ein Hauptwort stehen: "Das ist Vaters Auto."
Possessivpronomen, Plural: Possessivpronomina
besitzanzeigendes Fürwort, also meins, Deins/deins, seins, unser(e)s, Euers/euers, ihrs. Die beiden Begriffe Possessivpronomen einerseits und Possessivadjektiv bzw. -artikel andererseits werden häufig verwechselt, letzteres steht jedoch als Attribut bzw. Artikel vor einem Substantiv (Hauptwort), während ein Possessivpronomen alleine steht, da es für ein Substantiv steht, also dieses ersetzt: "Das ist meins."
Postposition
'Nach-' bzw. 'End-Stellung': eine nachgestellte Adposition, ein nach dem deklinierten Substantiv stehendes Verhältniswort. Beispiele mit Genitiv: der Einfachheit halber, mit Dativ: meiner Meinung nach/zufolge, mit Akkusativ: den Weg entlang. Manche Postpositionen sind auch Präpositionen, z. B. entlang.
Prädikat
Im Deutschen ein Verb oder eine Wortgruppe aus Verb und Adverb oder Adjektiv. Die Wortgruppe kann zusammenhängend sein (Ich bin froh.) oder andere Satzelemente umschließen (Ich habe Dich gesehen.)
Prädikativ
Ergänzung zum Subjekt oder Objekt: Ein Prädikativ zum Subjekt bildet zusammen mit einem Verb wie sein, werden, bleiben, heißen, scheinen, aussehen ein mehrteiliges Prädikat. Beispiele: "Er ist Professor / schlau." Prädikative zum Objekt sind zum Beispiel: "Wir halten ihn für einen Professor / für schlau." "Sie nannten ihn ein Genie / , was sie schon immer gedacht hatten."
Präfix
Vorsilbe, die im Deutschen Wörter bildet und die Bedeutung eines Lexems abwandelt; Beispiele: schreiben, abschreiben, anschreiben, beschreiben, unterschreiben, verschreiben, vorscheiben.
Pragmatik
Linguistische Disziplin, die sprachliches Handeln und die Verwendung von Sprache erforscht, also welche Arten von "Sprachhandlungen" ein Sprecher einsetzt. Einer ihrer Begründer, J. L. Austin, formulierte 1962 griffig, die Pragmatik suche Antworten auf die Frage How to do things with words? (Wie kann ich mit Worten etwas tun?).
Präposition
'Vor-' bzw. 'Front-Stellung': eine vorangestellte Adposition, Verhältniswort. Beispiele: ab, auf, für, durch, nach, neben, über, unter, vor. In das Buch auf dem Tisch kennzeichnet auf ein örtliches Verhältnis zwischen Buch und Tisch.
Präpositionalobjekt
Objekt, das sich auf ein Verb mit einer Präposition bezieht, die durch das Verb festgelegt ist und im Kontext die besondere Bedeutung des Verbs bestimmt. Man kann ein Präpositionalobjekt mit wen oder wem/wer/was (bzw. wonach, woran, worauf etc.) erfragen: a) "Ich denke an Dich!" (an wen, woran?) – b) "Sie fragt nach seiner Absicht." (nach wem/wer/was, wonach?)
    Nicht zu verwechseln ist das Präpositionalobjekt mit einer adverbialen Bestimmung, etwa des Ortes: "Er wartet auf den Stuhl." (daß er geliefert wird – auf wen, worauf?); aber: "Sie wartet auf dem Stuhl." (wo, an welchem Ort?)
Produktiver Wortschatz
Gesamtheit der Wörter, die ein Sprecher nicht nur kennt und versteht, sondern auch selbst verwendet; manchmal etwas unpräzise auch als "aktiver" Wortschatz bezeichnet.
Pronomen
Fürwort: ein Wort, das für eine Person, Sache, Handlung, Eigenschaft etc. steht und ein Substantiv bzw. Hauptwort ersetzt; Beispiel: ich, Du, er, sie, es, wir, ihr, sie.
Redundanz
'Wiederholung, Überflüssigkeit': die eigentlich nicht notwendige mehrfache Bezeichnung eines Begriffs oder Kennzeichnung einer grammatischen Kategorie; lexikalisches Beispiel: "frank und frei", grammatisches Beispiel für Kasus: "des Vaters". Redundanz liegt auch vor, wenn z. B. das i vor einem Doppelkonsonant kurz gesprochen und einfach geschrieben ("mitten"), vor einfachem Konsonant ("mieten") aber zusätzlich durch ein e (Längungsvokal) ergänzt werden soll.
Register
in der Sprachwissenschaft Bezeichnung für die Ausprägungen einer Sprache, vor allem Soziolekte und Dialekte, zu denen auch die Standard- bzw. Hochsprache zählt. Zur guten Beherrschung einer Sprache gehört auch die Kenntnis mehrerer Register: Jeder gebildete Erwachsene weiß, wie er sich sprachlich jeweils angemessen gegenüber Freunden, Bekannten, Arbeitskollegen, Vorgesetzten verhalten sollte; dazu gehört im Deutschen auch die Frage, ob man jemanden "duzt" oder "siezt".
Relativadverb
bezügliches Umstandswort: Adverb, das einen Relativsatz einleitet und diesen mit dem Hauptsatz verbindet. Beispiele: wo, wann, wie, weswegen.
Relativpronomen
bezügliches Fürwort: Pronomen, das einen Relativsatz einleitet und diesen mit dem Hauptsatz verbindet. Beispiele: der, die, das, welcher, welche, welches.
Relativsatz
Nebensatz, der durch ein Relativpronomen oder Relativadverb eingeleitet wird. Beispiele: "Das Buch, das ich gerade lese, gefällt mir gut." "Weißt Du noch, wo Du es gekauft hast?"
Rezeptiver Wortschatz
Gesamtheit der Wörter, die ein Sprecher kennt und versteht, ohne sie deshalb selbst benutzen zu müssen; manchmal etwas unpräzise auch als "passiver" Wortschatz bezeichnet. Wer eine Fremdsprache lernt, weiß in der Regel, daß sein rezeptives Sprachvermögen größer ist als sein produktives: Nicht alles, was man schon versteht, kann man auch selbst ausdrücken.
Schrift
konventionelles ('vereinbartes') System optischer Zeichen zum Zwecke der Kommunikation. Da Schriftzeichen in der Regel auf dauerhaftem Material (Stein, Leder, Holz, Papier, Datenträger) angebracht werden, sind sie nicht auf die Zeit und den Ort ihrer Erzeugung beschränkt.
Schriftsprache
Sprachregister, das typischerweise schriftlichen Ausdruck findet und sich in Struktur und Wortschatz von anderen, lautsprachlichen Registern unterscheidet. Eine Schriftsprache steht der Standardsprache meist näher als den anderen Registern derselben Sprache; sie kann auch mündlichen Ausdruck finden, etwa in der Lesung von Nachrichten, dem Halten schriftlich konzipierter Reden, der Rezitation von Gedichten etc.
Semantik
Bedeutungslehre: Disziplin der Sprachwissenschaft, die die Bedeutung von Wörtern, Sätzen und Texten erforscht.
Sexus
'biologisches, natürliches Geschlecht'. Beispiel: Der Sexus eines Mädchens ist weiblich, sein grammatisches Geschlecht (Genus) aber neutral bzw. Neutrum: das Mädchen.
Singular
Einzahl. Beispiele: "Frau" im Gegensatz zu "Frauen", "sie schreibt" im Gegensatz zu "sie schreiben"; Gegenteil: Plural.
Soziolekt
im Gegensatz zum Idiolekt und Dialekt die von einer gesellschaftlichen Gruppe, Schicht, Klasse gesprochene, also diastratische Variante einer Sprache.
Sprache
eine schwierig zu definierende Fähigkeit des Menschen, miteinander zu kommunizieren. Der Linguist Saussure unterscheidet die Langue, nämlich das 'Zeichensystem' bzw. die 'Sprachfähigkeit' in einer Sprache, von der Parole, den konkreten 'Sprechakten'; aus der Gesamtheit der Paroles aller Sprecher einer Sprachgemeinschaft konstruiert er die Langue.
Neben dem überwiegend mündlichen Zeichengebrauch bzw. Ausdruck einer Sprache sind der gestische Ausdruck (Zeichen- bzw. Gebärdensprache) und vor allem schriftliche Ausdruck üblich.
Standardsprache bzw. -deutsch
siehe Hochdeutsch
Stützwort
Wort, das als Subjekt oder Objekt eines Satzes einen Satzteil – vor allem einen erweiterten Infinitiv – vorwegnimmt oder wiederholt. Beispielwörter: daran, darauf, davor, das, dies und vor allem es. Der Beispielsatz "Es tut mir leid, das zu hören" lautet ohne Stützwort: "Das zu hören, tut mir leid.", wobei das Pronomen ("es") ebenso wie der erweiterte Infinitiv ("das zu hören") das Subjekt ist.
Subjekt – Objekt
grammatische (nicht lexikalische) Kategorien, die die Funktionen (man könnte auch sagen: die Jobs) von Wörtern im Satz beschreiben. Ein Subjekt ist ein Substantiv, Pronomen oder Name, nach dem man mit wer? fragen kann; nach dem Objekt hingegen läßt sich mit wen? fragen. Meist steht das Subjekt am Anfang und das Objekt am Ende eines Satzes. Das Beispiel "Ich schreibe ein Buch." zeigt aber, daß – anders als im Englischen – beide Satzteile ihre Position auch tauschen können: "Ein Buch schreibe ich." Der Grund ist, daß man den flektierten (gebeugten) Wörtern im Deutschen ansieht, welche Funktion sie innehaben: ich ist ein Subjekt-, mich hingegen ein Objektpronomen.
Substantiv
auch: Nomen: Hauptwort, z. B. Satz, Buch, Sprache etc.
Suffix
Nachsilbe, um ein Wort zu beugen (Flexionssuffix) oder ein neues Wort zu bilden (Wortbildungssuffix).
Synchronie
Sprachbetrachtung auf einer Zeitebene: Untersuchung gleichzeitig bestehender Aspekte einer oder mehrerer Sprachen. Gegenteil (Antonym): Diachronie.
Synkope
Auslassen bzw. Ausfall eines unbetonten Vokals zwischen zwei Konsonanten, etwa des i in goldenem, was goldnem ergibt. Wenn der Vokal am Ende des Wortes entfällt, liegt eine Apokope vor; meist ist das e betroffen, etwa in Ich mach das!
Synonym
'Wort gleicher Bedeutung'; Mehrzahl: Synonyma; ein Beispiel für Synonymie: "Samstag" und "Sonnabend"; Gegenteil: Antonym. Es gibt strenge Synonyma und weniger strenge, die nur annähernd dieselbe Bedeutung haben; manche Wörter bedeuten zwar an sich dasselbe, werden aber dennoch nicht im selben Kontext gebraucht.
Syntagma
'Zusammenstellung'. In der Linguistik: grammatikalisch bzw. syntaktisch gefügte Gruppe von Wörtern, die jeweils erst durch die Fügung ihren Sinn bekommen; Beispiel: Rotes Kreuz.
Syntax
Satzbaulehre: Teilgebiet der Grammatik, das die Struktur von Sätzen, also die Verknüpfungen von Wörtern zu Wortgruppen und Sätzen erforscht und die Veränderungen ihrer Form (Konjugation, Deklination) und Bedeutung sowie ihre Funktionen beschreibt.
Tautologie
'Dasselbe-Sagen': Eine rhetorische Figur, die mit einer inhaltlichen Wiederholung (semantischer Redundanz) arbeitet und in sogenannten Zwillingsformeln auftritt. Beispiele: bereits schon, frank und frei, nie und nimmer, still und leise, weißer Schimmel.
Tempus
grammatische Zeit, bzw. Zeitform. Die grammatische Zeit ist nicht mit der natürlichen Zeit identisch; Beispiele: "Sie wird jetzt volljährig sein." bedeutet 'Sie ist jetzt vermutlich volljähig.'; "Wann ging der Flieger morgen?" meint 'Wann wird das Flugzeug morgen abfliegen?'
transitiv
Ein transitives Verb kann ein Akkusativobjekt haben, ein intransitives nicht; Beispiel: Man kann ein Problem, einen Sachverhalt etc. bedenken und überdenken (transitive Verben), aber man kann es oder ihn nicht nachdenken oder grübeln (intransitive Verben).
Tropopnym
'Wortänderung': ein Verb, das genauer als ein Verb mit allgemeinerer Bedeutung die Art einer Handlung bezeichnet. Das Verb schlendern zum Beispiel ist ein Troponym für 'gehen', verschlingen ein Troponym für 'essen' und flüstern für 'sprechen'.
Umlaut
ein in Abhängigkeit von seiner Umgebung und der Wortbedeutung veränderter Laut; in der deutschen Rechtschreibung: ä, ö, ü. Vergleiche: der Fall – im Falle – die Fälle.
Univerbierung
Vorgang und Ergebnis des Zusammenwachsens mehrgliedriger syntaktischer Konstruktionen zu einem Wort, z. B. wieder sehen zu wiedersehen, den Schluß folgern zu schlußfolgern. Die Univerbierung entspricht einer allgemeinen strukturellen Tendenz der (syntaktischen) Vereinfachung zum Zwecke der Informationsverdichtung in einem Wort sowie zur Vermeidung unhandlicher Konstruktionen. Voraussetzung für Univerbierung ist die Lexikalisierung eines Wortes, also seine Aufnahme ins lexikalische Bewußtsein der Sprachgemeinschaft; die übliche, mit einiger Verzögerung eintretende Folge ist die graphische Univerbierung, die Zusammenschreibung der ehemaligen Wortgruppe.
Verb
Zeitwort, Tätigkeitswort, Tu(n)wort; Beispiele: lernen, laufen, schreiben etc.
Verbalnomen
Infinitiv (Grundform des Verbs), der die grammatische Funktion eines Substantivs (Nomens) einnehmen kann; Beispiele: "das Lesen". Besonders in Westdeutschland werden Verbalnomina zur Bildung des periphrastischen Aspekts verwendet, der auch als "rheinische Verlaufsform" bezeichnet wird: "Ich bin am Lesen."
Verbalperiphase
Verbale Umschreibung, Verbindung (in der Regel) zweier Verbstämme, in der (mindestens) ein Verb als Hilfsverb fungiert, das ohne eigene Bedeutung nur eine grammatische Kategorie (Tempus, Aspekt) des Vollverbs bedient. Beispiele: "Ich werde fahren." – "Ich bin gefahren." – "Ich habe [einen Opel] gefahren." – "Ich bin am Fahren.". Das letzte Beispiel enthält ein Verbalnomen (siehe oben). Die periphrastische Tempusbildung ist im Deutschen häufiger als die einfache, die ohne Hilfsverb auskommt: "Ich fuhr." Siehe auch oben: Periphrase.
Verlaufsform (am-Progressiv)
Ein Aspekt (siehe oben) bzw. eine morphologische Aktionsart des Verbs, der/die periphrastisch (siehe oben) mit einem Hilsverb gebildet wird und das Andauern einer Handlung ausdrückt. Im Englischen ist die Verlaufsform das bekannte continuous bzw. progressive: "I am reading", "I was reading" etc.; im Deutschen gibt es die (immer noch von Deutschlehrern bekämpfte) Rheinische Verlaufsform: "Ich bin am Lesen" etc.
Vokal
Selbstlaut, also ein Laut, der von selbst, ohne Hilfe eines anderen gesprochen wird: [a, e, i, o, u].
Volksetymologie
laienhafte Ableitung nicht (mehr) verstandener Wörter von anderen, ähnlich klingenden bekannten Wörtern und meist auch lautliche und schriftliche Anpassung der Wörter an ihre falsch vermutete Herkunft; Beispiel: Die "Grasmücke", ein kleiner grauer Singvogel, wird heute von 'Gras' und 'Mücke' abgeleitet, obwohl die Silbe gra 'grau' bedeutete.
Wort
Wörter sind Freie Morpheme (Freie Grapheme bzw. Freie Phhoneme), also unabhängige bedeutungstragende geschriebene oder gesprochene Formen bzw. Schrift- oder Lautbilder. Wörter sind nicht identisch mit Begriffen, drücken diese aber aus bzw. bezeichnen diese; sie werden deshalb auch "Bezeichner" genannt. Der berühmte Schweizer Linguist Ferdinand de Saussure (1857–1913) führte für den 'Bezeichner' das Wort signifiant ein und für das 'Bezeichnete' (die 'Bedeutung') das Wort signifié.
Zeichen (Zeichensprache)
'Symbol', im allgemeinen sprachwissenschaftlichen Sinne beliebiges sprachliches Zeichen bzw. Symbol für einen Begriff von einem konkreten oder abstrakten Gegenstand. Im allgemeinen Sinne ist also jede Sprache Zeichensprache, da sie sich mündlicher bzw. akustischer, gestischer oder schriftlicher Zeichen bedient; im engeren, häufig verwendeten Sinne meint Zeichensprache nur die gestische bzw. Gebärdensprache.
Zirkumposition
'Klammerstellung': ein aus einer Präposition und einer Postposition bestehendes zusammengehörendes Paar von Adpositionen, die ein ihnen zugeordnete Wort umklammern. Beispiele: an meiner statt, um Himmels willen, von Amts wegen.


Ergänzung:


Zur Leitseite Linguistik: Schrift nach oben Orwells 1984 "Reform"-Ziele